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Mobilität in den Ortschaften: Jetzt mal ganz langsam, bitte!

Viele Frauen in Deutschland sind auf Grundsicherung-im-Alter angewiesen. Zugleich sind sie häufig durch den Tod ihres Partners alleinstehend und ab einem bestimmten Zeitpunkt auch von fremder Hilfe abhängig (Sozialbericht 2024, S. 302).
Mobilität ermöglicht soziales Leben und Aktivität, ist häufig wichtig für die Inanspruchnahme von Leistungen und die Existenzsicherung. Dass alles, was zum täglichen Leben gehört, vom Einkaufsmarkt bis zum Arzt und dem Lieblingstreffpunkt erreichbar ist, reduziert Stress und erleichtert das Alleinsein. Für Frauen im Alter ist Mobilität im Nahbereich deshalb besonders wichtig. Nicht jede Seniorin ist mit einem private PKW ausgestattet oder will noch fahren. Auch das allerneueste Smartphone dürfte nicht in jeder Handtasche sein. Das sollte bei allen Neuerungen auch im Rahmen der Digitalisierung unseres Alltagslebens berücksichtigt werden.
Wenn der Sozialbericht anmahnt, dass Frauen im Rentenalter besondere Berücksichtigung durch die Politik erfordern, bedeutet das aus meiner Sicht unter anderem, dass öffentlicher Nahverkehr auf sie eingestellt werden muss durch Ticketangebote, die bezahlbar und technisch unkompliziert sind, und außerdem Mobilität fördern, um zu sozialem Leben zu ermutigen. Freizeit- und Hilfsangebote sollten erreichbar sein und die behördliche Informationspflicht in Bezug auf Unterstützungsleistungen deutlich besser umgesetzt werden. Innerörtliche Mobilität und die zwischen benachbarten Ortschaften darf nicht nur aus der Sicht von Jugendlichen gedacht werden, die noch keinen Führerschein haben, sondern muss auch für ältere Menschen einladend sein.

Kreisverkehr - kleine und große Runden

Dazu gehört, dass das Zeitfenster des Busverkehrs auf den abendlichen Freizeitverkehr und die Wochenenden ausgedehnt wird. Zwar sind Rentner:innen auch tagsüber zeitlich flexibel, aber nur selten ihre jüngeren Verwandten, die sie mit den Bussen gut besuchen können. Tagsüber wiederum nutzen ältere Menschen den öffentlichen Nahverkehr häufig zu Zeiten, an denen Berufstätige und Schüler:innen bereits am Arbeitsplatz sind. Auch dann sollten die Busse zuverlässig und möglichst pünktlich fahren.
Zudem sollte die Fahrpraxis auf langsame Menschen Rücksicht nehmen: Bushaltestellen müssen überdacht und windgeschützt sein, die Busse müssen an jeder Haltestelle halten und sich Zeit genug nehmen, damit auch ältere Menschen zum Bus kommen und einsteigen können. Es sollte tatsächlich gelten: Lieber etwas zu spät als zu früh! Dafür und für mehr Berechenbarkeit insbesondere der Buslinien, die Wohnbezirke abfahren und nahe Ortschaften miteinander verbinden, müssen eventuell die Fahrpläne geändert und die Fahrpraxis der Busfahrer:innen strenger kontrolliert werden. Die noch viel zu geringe Nutzung der eigentlich schnellen und bequemen Regionalbusse ist natürlich darauf zurückzuführen, dass die tatsächlichen Fahrzeiten häufig massiv von den Plänen abweichen - weil die Busfahrer:innen zu niedrig frequenten Zeiten davon ausgehen, dass ohnehin kaum jemand den Bus nutzt. Das aber ist eine Verschlampungspirale, die man durch mehr Fahrzeitrealismus und Systematik beenden kann - sodass die Regionalbusse zunehmend ausgelastet und effizient werden und älteren alleinstehenden Menschen zuverlässige und günstige Mobilität bieten.
Die neue Tendenz zum Shuttle, der kürzere Strecken in einer Rundfahrt durch zwei Ortschaften fährt, immer in eine Richtung, hat einen Touch Genialität! so löst sich das Problem, dass nur auf einer Straßenseite eine überdachte Bushaltestelle zur Verfügung steht: Der Bus fährt einfach nur auf einer Seite. Natürlich gewöhnungsbedürftig: wer zwei Stationen vom Einkaufsmarkt entfernt wohnt, mit dem Bus drei Minuten, muss im Zweifelsfall nach jedem Einkauf den Nachbarort besuchen... Das neue Shuttle-System des 100ers zwischen Mering St. Afra und Königsbrunn bietet jetzt diese neue Option oder Einschränkung, wie man will. Es wäre schon zu empfehlen, dass die Buslinien innerorts dann so abgestimmt sind, dass wenigstens durch Umsteigen eine Art Richtungswechsel möglich ist. Oder eine Einkaufsrundfahrt im Ort. Wer will schon stur in eine Richtung und immer rechts fahren? Einige (politische) "Omas" sicher nicht. Doch wir haben ja das Deutschlandticket und eine auch freizeitlich wunderbare Region. Wer da nicht mehr mitfahren möchte, steigt an der Staustufe aus und schlägt sich nach links ins Grüne! Denn an der Station Mandichosee hält der Bus beidseitig.

Noch ein Gap: Die Kluft zwischen Erwerbstätigkeit und Einkommen

Das Durchschnittseinkommen in Mering liegt mit 4.800 Euro monatlich weit über dem deutschen Durchschnitt. Aber "Durchscnitt" bedeutet eben nicht, dass jede:r ungefähr soviel verdient. Ganz im Gegenteil: Nicht nur die Rente ist ungleich verteilt, auch das berufliche Einkommen ist ungleich - einerseits wegen geringerer Stundensätze in frauentypischen Berufen, andererseits wegen geringerer Arbeitszeiten.
Im Jahr 2017 waren 75 % aller erwerbsfähigen Frauen zwischen 20 und 64 in irgendeiner Weise berufstätig, jedoch nur 40 % von ihnen Vollzeit - das sind 3/4 * 2/5 = 0,3 - also weniger als ein Drittel aller Frauen zwischen 20 und 64, die in Vollzeit beschäftigt sind.
Während die Zahl der Berufstätigen zwischen 2006 und 2017 um fast 10 % stieg, stagniert die Entwicklung seit 2017. Frauen sind überrepräsentiert in Büro-, Kaufmännischen- (65,6 %) und Dienstleistungsberufen (61,7 %) Der Bruttolohn liegt durchschnittlich bei nur 82 % des Stundenhonorars, das männliche Kollegen erhalten.
Etwas reduziert hat sich der Anteil der Berufstätigkeit in Form von "mithelfendem Familienmitglied" - also insbesondere Pflege ohne rechtlich gesicherten Anspruch auf Honorar - das bedeutet, Erwerbstätigkeit hat bei Frauen auch einen signifikanten Anteil an ehrenamtlicher oder schlichtweg unbezahlter Arbeit. . Weiterhin gibt es einen hohen Anteil an Minijobberinnen - also Erwerbstätigkeit mit minimalen bzw. geringen pauschalen Sozialbeiträgen für Krankenkasse oder Rentenversicherung. Dritte Gruppe sind die Kleinunternehmerinnen, also Ich-AG-Selbstständige/Gewerbetreibende mit einem Gewinn unter 20.000 Euro im Jahr.
Wir sehen also, dass 75 % Berufstätigkeit an sich noch nicht viel heißt - Frauenarbeit ist nicht notwendig bezahlt und tatsächlich können nicht einmal die Hälfte (47 %) ihre finanzielle Unabhängigkeit langfristig selbst sichern - wie ein Arbeitnehmer innerhalb des Sozialsystems sonst durch gleitende Übergänge bei Stellenwechsel oder vorübergehender Beschäftigungslosigkeit (durch Sparvermögen, Abfindungen, Arbeitslosengeld, Grundsicherung etc.) bei Müttern sind es sogar 70 %, für die keine langfristige Planung möglich ist. Es sind also offensichtlich schon einmal nicht die Männer, die ihr Geld für die Familie ausgeben - was immer wieder gerne als Argument für massive Bevorzugung bei Beförderungen und das Gender Pay Gap angeführt wird.
Viele Frauen in Minijobs würden gerne mehr arbeiten, es wird aber u.a. aufgrund der Sozialversicherungsvorteile von den Arbeitgebern nicht angeboten. Häufig gibt es ja mehrere Minijobber:innen in einer Firma, deren Arbeitstunden sich auch zu einer festen Stelle mit höherer Stundenzahl zusammenfassen ließen.

Welche Gründe gibt es für das furchtbar unsichere Fraueneinkommen?

Was würden Sie selber sagen? Die Sozialwissenschaft kennt das *Brain-Storming* - jede:r sagt oder schreibt auf, was sie zu dem Thema spontan denkt. Tradition, eigene Entscheidung, wenig Geld da, einfacher, weniger wert, austauschbarer, überflüssig, kommt nur der Arbeitenden selbst zugute, kann Geld auch geschenkt bekommen etc. Tatsächlich wiederholte lebten Frauen mit beruflichen Ambitionen zwecks eigenem Einkommen seit 1958 in einem rechtlich ungenauen Status, der erst 1977 eindeutig zugunsten ihrer Entscheidungsunabhängigkeit definiert wurde. Durch den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes waren Frauen seit 1958 gleichberechtigt. Nur gab es kein verbürgtes Recht auf Arbeit. Deshalb war die gesetzliche Einschränkung einschlägig, dass Frauen nur einen Arbeitsvertrag abschließen durften, wenn ihr Ehemann einverstanden und der Meinung war, dass es die Haushaltsführung nicht beeinträchtigt. Im Prinzip durften Frauen seit 1958 durch den Gleichheitsgrundsatz auch ein eigenes Konto führen. Das "Geheimsparen" war aber weiterhin verboten, da man juristisch der Meinung war, dass das Vermögen dem Mann zustand. Erst 1962 wurde dieses Verbot vollständig aufgehoben, und Frauen konnten faktisch eigenständig Konten eröffnen, was ein wichtiger Schritt zur finanziellen Selbstbestimmung war, auch wenn die volle Geschäftsfähigkeit erst 1969 erreicht wurde! Indirekt waren Frauen in der Bundesrepublik also durchaus verpflichtet, unentgeltlich bzw. nur nach individuellem Ermessen des Ehemannes honoriert für die Partnerschaft und die Familie zu arbeiten. Andererseits erschien Frauen dieses Zusammenleben auch normal und natürlich - erst in den siebziger Jahren entwickelte sich bekanntlich massiver Widerstand in Form der Frauenbewegung und Politisierung von Frauen, die begannen, wirtschaftliche Unabhängigkeit anzustreben und ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt zu reflektieren. Ich würde sagen, mittlerweile muten keine Eltern ihren Töchtern mehr zu, ohne Ausbildung und berufliche Perspektive durchs Leben zu gehen. Frauen dürfen sich nicht mehr nur bilden und ehrenamtlich oder kulturell engagieren, sondern auch Interessen in soliden und gut bezahlten Berufen verwirklichen. Das war sicher bis zur Wende noch unüblich in Abhängigkeit vom Familieneinkommen und Angela Merkel mit ihrem Physikstudium und ihrer Arbeit in frauentypischen, redaktionellen Bereichen noch in den Zeiten der DDR, die sich dann auch noch mit großem Selbstbewusstsein gegen Helmut Kohl behauptete, hat sicher auch bei Frauen aus der westdeutschen Oberschicht das Bedürfnis geweckt, sich mit ihrem Engagment, gleich wo, stärker sichtbar zu machen und auch als Person Einfluß in institutionellen Bahnen zu nehmen. Im Gegensatz zu Parteien und Behörden hat der Einsatz in Familien oder auch in Familienbetrieben keine institutionell vorgegebenen Bahnen und kann die Unabhängigkeitsbestrebungen von Frauen immer wieder nach Bedarf reduzieren. Der Ehemann als Arbeitgeber im familiär geführten Betrieb ist zwar sozial vielleicht angenehm, aber im Zweifelsfall auch der ungerechteste Chef, den man sich aussuchen kann - denn natürlich erwarten Ehepartner:innen voneinander viel mehr Kulanz und Einzelfallregelung als irgendein:e Chef:in in einem Betrieb von den Mitarbeiter:innen fodern könnte. Das "Tyrannenschwert", das so über dem Hals der mitarbeitenden Ehefrau im Familienbetrieb hängt, kann aus Gold sein, wenn viel Geld für alle aus dem Betrieb fließt, kann aber auch furchtbar sein, wenn ihre Bezahlung das erste ist, woran gespart wird.

Vom Goldstück ehrenhalber (Honorar) zum gewerkschaftlich gesicherten Lohn oder Gehalt

Der erste Schritt zur echten Emanzipation und Gleichberechtigung führte also auch für gut situiert geborene Frauen direkt ins Proletariat: Selbst Alice Schwarzer, die berühmte Feministin, hat eine Zeitlang in Fabriken arbeiten müssen, bevor sie mit ihren Büchern sechsstellige Honorare erzielte und ihre Zeitschrift "Emma" gründen konnte, die es heute noch gibt. Arbeitsplätze im Bereich Büro und Dienstleistung, sofern sie größeren Betrieben angehören und möglichst gewerkschaftlich abgesichert sind, können gegenüber der Mitarbeit im Familienbetrieb immerhin den Vorteil haben, dass sie Mindestlohn zahlen müssen sowie Urlaubs- und Krankheitstage bezahlen. Minijobs, Familienmitarbeit, freiberufliche Dienstleistungen müssen sich hingegen immer wieder den minimal notwendigen Status neu erkämpfen - wenn dann ohnehin das Honorar nicht einmal für die Miete reicht, sind diese Kämpfe demotivierend und zermürbend. Deshalb ist es so wichtig, dass eine Partei wie die Sozialdemokratische Partei Deutschlands existiert und so nicht das Augenmerk dafür verloren geht, wie Frauen in der Arbeitswelt repräsentiert sind, dass gleiche Quoten angestrebt werden und den Lebensstandards angepasste Mindestlöhne gesichert sind - damit immer mehr Frauen nicht nur berufstätig sind, sondern auch den wirtschaftlichen wert ihrer Arbeit nicht mehr täglich diskutieren müssen.

Schritte zur Verbesserung des Arbeitsrechts


Schöne Erfolge in dieser Hinsicht war z.B. der Sieg der weiblichen Reinigungskräfte in einem rechtsstreit gegen ihren behördlichen Arbeitgeber in NRW. Sie setzten gleiches Honorar wie die männlichen Angestellten durch, die angeblich höherwertige Maschinen bedienten. Es stellte sich heraus: Die Maschinen der weiblichen reinigunsgkräfte tun es auch. Der Arbeitgeber hatte vom Geschlecht der Arbeitskräfte auf die Minderwertigkeit der Maschinen geschlossen... ein böser Fehler, mit dem das Gericht Schluss machte. Mit solchen Rechtsstreitigkeiten, die auch Präzedenzfälle sind, können Frauen häufiger vor Gericht gehen, damit sich umgekehrt auch das Bewusstsein in der Gesetzgebung und Politik ändert.

Deshalb SPD!

Mein Fazit entsprechend: Ohne unabhängige Rechtsprechung und eine gute Arbeits- und Sozialgesetzgebung wird die Berufstätigkeit zwar das soziale und kulturelle Leben bereichern, sich aber nicht signifikant auf den Konten und in der Alterssicherung der Frauen niederschlagen. Deshalb Nicht nur SPD wählen, sondern auch für politisches Engagement entscheiden, Mitglied werden und soziale Rechte fördern!

Termin: Filmabend AWO 22.8. "Sternstunde ihres Lebens", Spielfilm über Elisabeth Selbert mit Iris Berben in der Hauptrolle

Termin: Treffen 28.8. Privatproblem Pflege? Die soziale Lage von Frauen und die häusliche Pflege von Angehörigen

* Besuch und Gespräch bei den Johannitern in Mering *

ca 17.00 Uhr Vortrag und Diskussion mit Heike Heubach, MdB (angefragt)